Über mich
Gerne möchte ich mich vorstellen. Ich bin eine Aussteigerin bei den Zeugen Jehovas. Schon im frühen Teenageralter habe ich begonnen, am ganzen System dieser Religion zu zweifeln, mich nicht mehr wohl gefühlt und litt enorm unter dem steigenden Druck, mich taufen zu lassen. Ich machte den Fehler, gab dem Druck mit 16 nach und liess mich taufen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie glücklich meine Eltern an dem Tag waren, wie alle um mich rum gelacht und mir gratuliert haben. Doch wenn ich heute die Fotos dieses Tages anschaue, erkenne ich mich selbst kaum mehr.
Nach 1,5 Jahren begann der Versuch, mich auf leisen Sohlen langsam raus zu schleichen. Diese Zeit wurde von viel Unsicherheit, Ängsten und Panik vor dem Krieg Gottes geprägt, in dem ich, ohne Zweifel, umkommen würde.
Es dauerte 2 Jahre, bis ich das, was mir die Zeugen mein ganzes Leben eingetrichtert hatten, wieder aus meinem Kopf und meinen Gedanken vertreiben konnte und der Entschluss fiel, mich ausschliessen zu lassen. Mit dieser Entscheidung kam auch der Moment, an dem meine Familie den Kontakt zu mir abbrach und aus meinem Leben verschwand.

Frühe Kinderjahre
An meine Kindheit kann ich mich nur bruchstückhaft erinnern.
Trotzdem will ich versuchen zu beschreiben, wie es ist, bei strengen Zeugen-Eltern unter viel Kontrolle, Druck und Angst aufzuwachsen.